Leben ohne Schokolade Teil 2: Sie macht nicht glücklich

Es war eine fixe Idee. Wie ein Geistesblitz. Und ich hätte nie gedacht, das ich überhaupt jemals auf diese Idee kommen würde. Warum auch? Ich liebe Schokolade. Besser gesagt ich liebte sie. Und dann, ganz plötzlich kam ich auf die Idee auszuprobieren, wie es wohl wäre, ganz ohne Schokolade zu leben. Was wäre anders, sowohl körperlich, als auch geistig und auf emotionaler Ebene? Könnte es sein, dass Schokolade am Ende gar nicht glücklich macht?

Aber wie alles anfing, wie sich die erste Woche ohne Schokolade gestaltete, könnt ihr in Teil 1 nachlesen. Ich möchte euch hier schnell ein Update geben, was sich ab der zweiten Woche getan hat.

Zunächst einmal passierte folgendes: Nachdem eine Woche um war, der erste Artikel veröffentlicht und Zuhause die Frage aufkam, wie lange ich dieses Experiment noch durch ziehen wolle, kamen mir ernsthafte Zweifel, ob ich überhaupt noch weiter machen wollte. Schließlich hatte ich fast mein Leben lang, zwar mit Ausnahmen, sonst aber so ziemlich täglich, Schokolade oder Kakao in irgendeiner Form zu mir genommen. Das ist so heftig wenn ich jetzt drüber nachdenke, dass ich es hier fast nicht schreiben mag. Jeden Tag! Zwar nie in Masse, also keine ganze Tafel pro Tag oder so, aber trotzdem. Über solch einen langen Zeitraum…

Ich kann es heute nur als Schokoladensucht bezeichnen.

Auch wenn es offiziell noch keine anerkannte Sucht ist, so setze ich es doch mit einer Sucht gleich. Ich konnte wirklich nicht ohne Schokolade leben früher. Niemals, wirklich niemals hätte ich Zuhause die Schokolade ausgehen lassen. Es war immer etwas da. Für den Fall das der kleine Schoko-Schmachter zwischendurch auftauchte. Und der kam garantiert.

Aber zurück zu den Zweifeln, ob und wie lange ich noch auf Schokolade verzichten wolle. Nach besagter erster Woche, siegte kurz der Gedanke, das ich das Zeug, das doch so gut schmeckt, nicht einfach für immer aufgeben würde. Und was machte es schon, jetzt einfach mal wieder etwas davon zu probieren? Also aß ich etwas Schokolade.

Doch es war nicht mehr das Selbe.

Ja, sie hat schon gut geschmeckt. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie mir gar nicht mehr so gut bekam. Und anstatt das mein Belohnungssystem ansprang, kam mir eher der Gedanke, ich wäre auch weiter ohne sie ausgekommen. Auch am nächsten Tag, als ich erneut noch einmal etwas mit Schokolade probierte, war es einfach nicht mehr wie vor meinem Selbstexperiment.

Also viel mir die Entscheidung nicht schwer: Die Schokolade und ich würden nach unserer ersten Beziehungspause auf Probe weiterhin getrennte Wege gehen. Bereuen tue ich den kleinen „Rückfall“ auch keineswegs. Im Gegenteil, er war sehr hilfreich, um etwas wesentliches zu erkennen.

Inzwischen habe ich nicht mal mehr das große Bedürfnis, den Schokoladenverzicht kompensieren zu müssen. Auch das Backen habe ich, wie schon im ersten Artikel vorhergesagt, wieder sein gelassen.

Was hat sich ohne Schokolade nun verändert?

Wie eben schon angedeutet, ich habe etwas gravierendes für mich erkannt. Schokolade macht mich nicht glücklich. Im Gegenteil. Ich denke sogar, die ganze groß angelegte Propaganda zugunsten der Schokolade, ist schon extrem perfide. Nur ist mir das früher nie aufgefallen. Schokolade macht mich tatsächlich auf einer wichtigen Ebene unglücklich. Und zwar Emotional. Ausgerechnet! Ich bemerkte nämlich, das ich seitdem ich keine Schokolade mehr esse, viel besser mit meinen Emotionen umgehen kann.

Es ist etwas schwer zu beschreiben, aber, negative Gefühle und emotionale Reaktionen beispielsweise auf äußere Dinge, haften nicht mehr so intensiv und lange an mir. Ich kompensiere natürlich auch keine negativen Emotionen mehr mit einem Stück Schokolade. Es wird immer propagiert, das Schokolade Glücksgefühle auslöst. Aber mal ehrlich: Wie glücklich fühlt man sich, wenn es einem Scheiße geht und dann Schokolade isst? Ist die Welt dann wieder in Ordnung. Nein. Natürlich nicht. Ich behaupte sogar, das Gefühlschaos hält durch die Schokolade länger an. Denn mein Selbstexperiment des Verzichts beweist mir, dass der emotionale Ausnahmezustand in Stresssituationen nicht mehr so lange anhält und bei weitem nicht so intensiv ist, ohne den täglichen Konsum der süßen Kakaomasse.

Wenn man beispielsweise googelt: „Wie wirkt sich Schokolade auf die Psyche aus?“, erhält man am laufenden Band, Artikel über Artikel, Loblieder darauf, wie glücklich uns Schokolade macht. Warum schrillen dabei nicht eigentlich schon alle Alarmglocken? Was passiert in unserem Körper und im Gehirn, wenn wir Schokolade essen?

Schokolade enthält Tryptophan, welches im Körper zu Serotonin umgewandelt wird. Dies wiederum ist ein Neurotransmitter, der ein wohliges Glücksgefühl auslöst. Serotonin ist aber auch noch für viele weitere Funktionen zuständig. Es wirkt sich auf unseren Appetit, den Schlaf und die Magen-Darm-Tätigkeit aus und wirkt gefäßerweiternd.

Klingt jetzt nicht dramatisch, ist es wahrscheinlich auch nicht wenn man ab und zu mal etwas nascht. Vermutlich klingt es für die Meisten sogar immer noch nach einer sehr positiven Wirkung. Aber was sind die Auswirkungen, wenn man sich jeden Tag mit Schokolade pusht, über Jahre hinweg? Ich habe keine medizinische Antwort darauf. Ich weiß nur, das ich mich positiv verändert habe, seit ich keine Schokolade mehr esse.

Ist euch inzwischen eigentlich auch einmal aufgefallen, wie überfüllt unsere Lebensmittelgeschäfte mit Schokolade sind? Und zwar das ganze Jahr über. Nicht nur zu jedem noch so herbeigezogenen Feiertag. Mir ist das nie aufgefallen, bis ich aufgehört habe sie zu essen. Unglaublich wie blind man ist, wenn man dauerhaft etwas konsumiert. Jeder gute Kiffer legt regelmäßig Cannabis Pausen ein, um zu reflektieren, was sein Konsum mit ihm macht. Aber bei Schokolade kommt man eigentlich nicht auf die Idee, so lange sich aufgrund des Zuckers keine Probleme bemerkbar machen.

Das heißt nicht, das ich ab sofort Schokolade verteufele. Von Liebe auf Hass umschwenke. Nein, sicher nicht. Ich werde auch an dem einen oder anderen Tag wieder einmal etwas essen, das aus Schokolade besteht. Aber was ich sagen möchte: Denkt einfach einmal über die Dinge nach, die ihr täglich oder regelmäßig macht und von denen ihr glaubt, das sie euch glücklich machen. Das muss nicht wie bei mir die Schokolade sein. Schaut, ob sie euch wirklich so glücklich machen, oder ob sie euch das Glück nur vorgaukeln.

Hält euch dieses vermeintliche Glück am Ende vielleicht nur vom wahren, tiefen Glück ab?

Eins steht fest. Wann immer man im Leben fest steckt, irgendwie nicht weiter kommt, sich immer und immer wieder um die gleiche Frage dreht, ohne eine Antwort zu finden, genau dann ist es der perfekte Zeitpunkt eine alte Gewohnheit abzulegen. Etwas zu verändern hilft einem neue Wege zu bestreiten und eröffnet einem Tore, die man sonst nicht gefunden hätte.

Titelbild: Ly Le Minh via Unsplash

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