Leben ohne Schokolade: Ein Selbstexperiment

Leben ohne Schokolade

Vor ein paar Tagen war ich im Supermarkt, um die üblichen Dinge für den Alltag zu besorgen. Soweit so unspannend. Doch es war der Tag, an dem ich beschlossen hatte vorerst keine Schokolade mehr zu essen. Zudem lebe ich glutenfrei und vegetarisch, so gut es geht auch vegan. Meine Herausforderung etwas kleines, süßes zum Naschen für zwischendurch zu finden, war also sowieso schon „leicht“ erhöht. Doch wie verrückt die Welt der Lebensmittelindustrie, mit den überquellenden Regalen voller Sachen die man nicht unbedingt zu sich nehmen sollte ist, viel mir erst an diesem Tag besonders auf.

Das Ding ist nämlich folgendes. Es gibt in den Süßigkeiten Abteilungen NICHTS was man kaufen kann, wenn man auf Gluten UND Schokolade verzichten möchte. Wenn man Schokolade isst, easy. Es gibt eine riesen Auswahl an allem was man sich vorstellen kann. Ein absoluter Großteil der Süßigkeiten ist entweder mit Schokolade überzogen, enthält Choco-Chips oder Kakao in irgend einer Form.

Schokolade, überall nur Schokolade.

So. Wenn Schokolade nun aber weg fällt, bleibt eh schon sehr wenig. Nicht einmal Reiswaffeln mit Schokoladenüberzug sind dann drin. Das was bleibt, sind dann erstaunlicher Weise ausschließlich Produkte mit Gluten. Kekse, Waffeln, Kuchen etc. Ich muss dazu sagen, ich war an diesem Tag aber auch nicht in irgendeinem Premium Supermarkt, sondern nur schnell bei dem Billigmarkt direkt um die Ecke. Dort gibt es wenn überhaupt nur ein bis zwei Produkte, die kein Gluten enthalten.

Natürlich gibt es in den besseren Supermärkten oder Drogeriemärkten ein extra Regal mit glutenfreien Sachen. Dafür bin ich auch sehr dankbar. Und die Auswahl ist in den letzten Jahren so viel größer geworden. Doch lustigerweise erlebte ich hier 1 Tag später erneut etwas sehr erstaunliches. In eben besagter, glutenfreier Abteilung eines sehr gut sortierten Supermarktes, entdeckte ich eine, genau eine einzige Sorte Kekse, die glutenfrei UND ohne Schokolade waren. Cranberry Sesam Cookies.

Ich hatte im selben Rutsch auch die erste Hälfte der Zutaten für meine glutenfreien Bananen Muffins besorgt. Jedoch absichtlich nicht alle, da es bereits spät war und ich wusste das ich an diesem Abend nicht noch selber backen wollte. Daher meine Freude über die Cranberry Cookies. Ich liebe es nun mal nach dem Abendbrot, noch einen Tee zu trinken und einen Keks (oder früher ein Stück Schokolade) zu essen.

Nun aber der Clou: Ich öffnete die Packung mit den Cookies, in der sich 6 Stück davon befanden und siehe da: Choco Chip Cookies statt Cranberry! Glutenfrei ja, aber wieder verfolgte mich meine geliebte Schokolade. Vermutlich hatte der Teufel höchst persönlich den Inhalt der Kekspackung vertauscht.

Ja, ich liebe Schokolade. Mein Leben lang schon. Ich kann mich eigentlich an keinen Tag erinnern, an dem ich mal keine gegessen hab.

Vielleicht wenn ich mal mit einer fiesen Grippe im Bett lag, aber sonst? Genau deshalb habe ich beschlossen damit aufzuhören. Selbst wenn ich nie viel davon am Tag gegessen habe. Mal ein paar Stückchen zwischendurch, oder am Abend. Aber trotzdem. Etwas so durchgehend im Leben zu machen ist schon krass. Ich musste mich daraus befreien. Schließlich kann auch Schokolade eine Sucht sein. Und zumindest probieren wollte ich es, wie mein Körper und Geist auf den Schokoladen-Entzug reagieren.

Bis jetzt geht es erstaunlich gut. Was mir noch vor einem Jahr undenkbar schien, ist heute nicht so schwer wie gedacht. Allerdings hat sich in diesem Jahr auch viel bei mir getan. Ich mache seit einem Jahr fast täglich Yoga. Und habe meine Ernährung auf glutenfrei umgestellt.

Aktuell habe ich gerade eine Woche komplett ohne Schokolade und Kakao geschafft. Schwer ist es manchmal beim Einkaufen, den ganzen Riegeln, Tafeln und Pralinen zu widerstehen. Ungewohnt ist es statt dessen vermehrt getrocknete Cranberries, Cashewnüsse und Datteln zu essen. Denn die Lust auf etwas Süßes hin und wieder am Tag bleibt.

Mit Schokolade aufzuhören hat mitunter Ähnlichkeiten mit dem Rauchen aufzuhören.

Zwar habe ich nie selbst geraucht, aber ich habe es miterlebt wie mein Mann 2x damit aufgehört hat. Man sagt ja, wer mit dem Rauchen aufhört, nimmt zu. Das scheint nicht bei jedem Raucher zu zutreffen. Beim Schluss machen mit der Schokolade, könnte dies jedoch dazu gehören. Ich habe irgendwie ein wenig mehr Hunger als sonst, obwohl abgesehen vom Schoko-Entzug alles normal ist. Vor allem habe ich aber als Nasch-Alternative momentan das Backen für mich wieder entdeckt. Davon sollte ich in Woche zwei am besten wieder etwas Abstand nehmen, sonst habe ich am Ende nicht nur auf etwas verzichtet, das ich Liebe, sondern müsste mich dann auch mit überflüssigen Kilos rumschlagen.

In dem Fall wäre das Experiment ziemlich fehl geschlagen und ich hätte mich doppelt unglücklich gemacht, anstatt glücklicher.

Ich denke das mit dem vielen Backen ist aber eher eine Kompensationsmöglichkeit am Anfang. In den nächsten Wochen, in denen ich den Versuch fort führe, werde ich mir etwas anderes überlegen und versuchen diesem Gelüst nach Süßem einfach auch mal nicht nachzugeben. Die Ursache der Sucht nach Schokolade, liegt zum Großteil eher in der Sucht nach Zucker. Und diese Sucht zu überwinden ist vermutlich eine der Schwierigsten überhaupt. Schließlich ist man an Zucker sein Leben lang gewöhnt und nimmt ihn auf die eine oder andere Weise täglich zu sich.

Mein Fazit der ersten Woche:

Ohne Schokolade leben geht. Ist machbar, auch wenn man so gut wie nichts mehr Süßes fertig einkaufen kann, weil sie einfach überall drin, dran oder drauf ist. Fast schon wie der Zucker höchst persönlich. Glücklicher macht es mich bis jetzt noch nicht 100%. Aber zum Glück auch nicht unglücklicher. Ich verspüre jedoch bereits einen Hauch neuer Leichtigkeit.

PS: Das ultra leckere Titelbild stammt von Taisiia Shestopal via Unsplash.

2 Kommentare bei „Leben ohne Schokolade: Ein Selbstexperiment“

  1. […] wie alles anfing, wie sich die erste Woche ohne Schokolade gestaltete, könnt ihr in Teil 1 nachlesen. Ich möchte euch hier schnell ein Update geben, was sich ab der zweiten Woche getan […]

  2. […] und Glück sind untrennbar miteinander verbunden. Eine schwer annehmbare Tatsache für die diejenigen, die im […]

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