Erleuchtung und andere Verzerrungen

Erleuchtung. Ein Wort mit viel Power. Wenn ich dieses Wort lese oder höre, werde ich glücklich. Ein Glück das über meinem Verstand agiert, kein erkauftes Glück, wie ein paar neue Schuhe. Auch wenn neue Schuhe mich prinzipiell immer glücklich machen. Doch die Bedeutung von dem Wort Erleuchtung macht mich bedingungslos und vor allem grundlos glücklich. Die pure Ekstase, in jeder Sekunde des Seins. Das vollkommen ausgelebte Potential der menschlichen Göttlichkeit.

Vieles habe ich ausprobiert, um näher an das Ziel der Erleuchtung zu kommen. Doch im Alltag scheint dieses Ziel extrem weit weg. Der normale Alltag in einer städtischen Millionen Gemeinde, hat noch jeden Erleuchteten aus den Sphären der höheren Welten geholt. 2 Jahre Retreat in den Bergen von Indien, lassen einen vielleicht sehr viel schneller zum Status der Erleuchtung kommen. Arbeit, Familie, soziale Angelegenheiten, Sport und irgendwie überleben und dabei nicht in die Angst verfallen, alles Materielle zu verlieren. Ohne Ruhe und losgelöstem Leben, erscheinen hohe, spirituelle Ziele fast unmöglich. Aber nur fast.

Wenn ich eines in meinem Leben gelernt habe, dann ist es wohl die Tatsache, dass die äußeren Umstände kaum eine Rolle spielen.

Alles spielt sich in Wahrheit in unseren inneren Welten ab. Nichts, aber auch gar nichts Reales findet vor unseren Augen statt. Die romantische Liebe und der Tod spielen sich vor unseren Augen ab, doch sie waren nie der Anfang oder das Ende. Wer die Wahrheit sehen will, schließt am besten die Augen. Die Suche nach der Erleuchtung, der nach Göttern und dem Urgrund allen Seins, lässt sich zwar recht schwierig finden, doch in uns drinnen liegen alle unsere spirituellen Sehnsüchte.

Vor der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser tragen.

Nach der Erleuchtung. Holz hacken und Wasser tragen.

Zitat aus dem Zen-Buddismus

Die Suche nach dem Glück der Erleuchtung hat bei mir Spuren von Verzweiflung, Angst, Sorge, Hoffnungslosigkeit und vielen weiteren Emotionen hinterlassen. Sich seinem „schlechten“ Karma, den dunklen Kräften, Feinden und Widersachern zu stellen, ergibt viele Momente am Boden. Doch tief in meinem Inneren, war stets das tiefe Vertrauen, dass diese Ebene der Erleuchtung auch für Härtefälle wie mich irgendwie durch ein Wunder möglich sei. Was wäre der Mensch, ohne ein höher geleitetes Ziel? Jeder hat tief in sich, dieses wummernde Feuer was einen antreibt, egal bei was. Man muss sich eben durchschlagen, jedes menschliche Ziel erfordert Arbeit, sei es physischer oder metaphysischer Natur.

Erleuchtung als Ziel des Lebens?

Bei den öffentlich wahrnehmbaren spirituellen Erscheinungen gilt die Erleuchtung als absolutes Muss. Doch die wenigsten werden sie erreichen. Kaum jemand erlangt faktisch gesehen die dauerhafte Erleuchtung. In dem aktuellen Leben zumindest. Die meisten Mönche, Yogis, Esoteriker, Satanisten (auch die sind spirituell) oder sonstige spirituelle Geist – Körper-Seele Komplexe erreichen das Ziel der vollkommenen, dauerhaften Erleuchtung niemals.

Psychedelische Substanzen sind ein prima Beispiel für kurzfristige Erleuchtung für jeden Menschen. Man bekommt Erleuchtung, in sehr vielen Fällen „die“ Erleuchtung. Auch gibt es dort die Hölle, was man niemals vergessen sollte. Die größten Mystiker der Geschichte, haben ihre Karriere damit begonnen. Der Ausdruck Mystik bezeichnet Berichte und Aussagen über die Erfahrung einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit sowie die Bemühungen um eine solche Erfahrung. Als positives Beispiel wäre da RAM Dass zu nennen und als negatives Aleister Crowley. Beide haben einen bestimmten Aspekt der Erleuchtung laut Lehrbuch erreicht.

Die Erleuchtung bleibt bei psychedelischen Substanzen jedoch nicht. Nur für ein paar Stunden, Minuten oder Sekunden. Solche Erfahrungen in den normalen Alltag zu integrieren, ist ein harter Weg. Kein dauerhafter Zustand. Ich hatte schon hunderte Momente der Erleuchtung. Durch DMT, Bufo Alvarius, LSD, MDMA, Meditieren, Yoga, oder dem einfachen existieren im absoluten JETZT. Ich verhelfe sogar Menschen zu kurzfristiger Erleuchtung.

Jeder sollte mal in den Geschmack der höheren Welten gekommen sein.

Lange hat es mich beschäftigt, warum das normale Leben im Alltag einen doch immer wieder aus den Socken hauen kann. Pleiten, Selbstzweifel, Todesfälle, Angst, Hass und der Stadtverkehr. Ich wurde das ein oder andere mal mürbe bei dem Gedanken, vielleicht nie die dauerhafte Erleuchtung zu erreichen. Doch in den Momenten, wo ich weder mein Verstand, meine Gedanken, oder meine Sinne war, wusste – weiß ich das es nicht darum geht. Wie Eckhart Tolle oder Ram Dass sagen würden, geht es um den Moment. Egal ob in der Angst, dem Leid, der sexuellen Lust, dem hungern oder schlemmen. Jeder Moment ist perfekt, einzigartig und stets die wahrhaftige Erleuchtung.

Wahre Erleuchtung akzeptiert den Schmerz und das Leid.

Die Welt um uns herum wird vielleicht nie perfekt sein und war es vielleicht auch nie. Eine Gotteserfahrung zu haben, ist so unbeschreiblich klar, dass jede einzelne Zelle, jedes Atom, jedes String und was darüber hinaus geht mit Demut erfüllt wird. Gottesfurcht bekommt eine neue Bedeutung, wenn man die Erfahrung hat. Man ist Gott und zugleich nur ein kleines Puzzleteil der gesamten Schöpfung. Unperfektion auf einer Welt mit Milliarden Göttern. Die Schöpfung hat wirklich einen etwas komischen Humor.

Diejenigen aber, welche zum Glück der Erkenntnis gelangt, über die Gegensätze erhaben und frei von Selbstsucht sind, diese erschüttert weder Glück noch Unglück irgendwann.

Mahābhārata indisches Nationalepos aus dem Hindu-Sanskrit, deren wichtigstes Lehrgedicht die Bhagavadgîtâ ist; entstand um 400 v.Chr. bis um 400 n. Chr., als Verfasser gilt Vjāsa

Man kann selbst entscheiden, wie das Jetzt gestaltet wird. Es ist nichts schlimmes nicht die Erleuchtung zu erfahren, so wie ich es mal dachte. Alle Emotionen und Gefühle wollen gelebt werden und vor allem gewürdigt. Diese Welt ist so komplex, das Universum strebt nach Komplexität, der Unergründlichkeit. Es gibt und gab nie einen Fehler, nur Erfahrungen nach mehr Bewusstsein. Die Fehler sind die Schlüssel zu mehr Bewusstsein.

Bewusstsein ist das, was diese Schöpfung meines Wissens nach ausmacht.

Jede einzelne Erfahrung ist gelebte Göttlichkeit, egal ob positiv oder negativ. Der Dienst der Negativität ist es, das Positive zu erheben. Eine einfache und logische Betrachtung. Daher ist alles ziemlich entspannt auf dieser Welt, man muss sich nur die Mühe machen genau hinzugucken. Die Erleuchtung ist sicherlich ein guter Eckpfeiler, doch die absolute Wahrheit ist sie sicherlich nicht. Erleuchtung heißt Leben. Leben. Leben. Aus allem lernen und dadurch wachsen. Lebt es in Leidenschaft, in Trauer, in Glück, oder im einfachen Sein.

Titelbild von Abigail Keenan auf Unsplash

Ein Kommentar bei „Erleuchtung und andere Verzerrungen“

  1. […] sich die Mühe macht und bewusst entscheidet das Leid im Leben zu transzendieren, wird in diesem Universum auf große Hilfe stoßen. Wer sich für bedingungslose Liebe entscheidet, wird bedingungslos […]

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